

Das 20. Studioalbum von Nina Hagen – das allein wäre schon eine Nachricht. Dass es zugleich vor Energie, Humor und Spielfreude sprüht und aus Gospel, Blues, Americana, Reggae und Rockabilly einen ganz eigenen Klang formt, ist die größere. Hagen nimmt bekannte Gospelklassiker, Spirituals und Southern-Gospel-Stücke und interpretiert sie so, dass man sie sofort als ihr Werk erkennt. Die 14 Songs changieren zwischen hymnischer Kraft und rotziger Direktheit. Schon Nina Hagens Stimme stellt sicher, dass ikonische Titel wie „Somebody Prayed For Me“, „Never Grow Old“ oder „Dust On The Bible“ nicht zur nostalgischen Nabelschau geraten. Sie kann zärtlich klingen, betont aber immer wieder auch die Punk-Vergangenheit der Grande Dame – etwa im Opener „Everybody’s Gonna Have A Wonderful Time Up There“. Mal perlen die Streicher, an anderer Stelle, zum Beispiel in „Walk With Me Jesus“, genügt eine einzelne Gitarre. Die Duette mit Nana Mouskouri, Gitte Hænning und WellBad erweitern den Klangraum, ohne die Dynamik zu bremsen. So ist „HIGHWAY TO HEAVEN“ eine Verbeugung vor dem Gospel und zugleich ein Spielplatz der Kontraste: mal sanft, mal brachial, mal hymnisch, mal intim. Sein eigentliches Finale findet das Album jedoch nicht im letzten, sondern im vorletzten Song. „Alle Wollen in Den Himmel” heißt er – und wird dominiert von einer groovenden Basslinie, die Hagens rauen Gesang über die Wiedergeburt, Bertolt Brecht und die Lust auf ein ewiges Leben untermalt „Schockschwerenot“, stöhnt sie am Ende. Ein Seufzer, der auch auf dieses wunderbare Album passt.