Contact

Contact

„Ich wollte ein Album machen, das sich voll und ganz dem Genre widmet, das ich liebe – Drum ’n’ Bass“, erzählt Nicolaas Douwma im Gespräch mit Apple Music. „Ich habe zwar schon genreübergreifende Alben produziert, aber ‚Contact' ist tief in dem Sound verwurzelt, zu dem ich immer wieder zurückkehre.“ Als Sub Focus hat Douwma in den letzten zwei Jahrzehnten einen treibend-perkussiven Sound entwickelt, der sowohl die frenetische Energie des D ’n’ B als auch eingängige Popmelodien einfängt. Mit vier Alben und Remixen für Acts wie The Prodigy, deadmau5 und Dizzee Rascal hat er sich eine loyale Fanbase aufgebaut, die seinen kraftvollen Sound unter anderem beim Reading and Leeds Festival und im Red Rocks Amphitheatre in Colorado live erlebt hat. Auf seinem fünften Album „Contact“ verfasst Douwma einen Liebesbrief an das Genre, das ihn erfolgreich gemacht hat – unterstützt von Künstler:innen, die er schon lange bewundert. Oldschool-Ragga-Breakbeats treiben „Original Don“ mit der Dancehall-Legende IRAH an, während „Entwined“ mithilfe von Grimes in die dunklere Seite des Drum ’n’ Bass eintaucht. „Push the Tempo“ greift den hymnischen Sound der britischen Dance-Vocal-Pionierin Katy B auf. Und „Water & Fire“ präsentiert die stakkato-artige Klangästhetik von Liquid D ’n’ B mit Vocals der Singer-Songwriterin Connie Constance. „Drum ’n’ Bass ist in letzter Zeit viel beliebter geworden“, sagt Douwma. „Mit diesem Sound erreichen wir inzwischen ein größeres Publikum. Und jeder dieser Tracks wurde live getestet, damit die Menge auch richtig abgeht.“ Erfahre im Folgenden mehr über Douwmas Gedanken zum Album – Track für Track. „Ecuador“ (mit Fireboy DML) Ich bin schon länger ein Fan von Fireboy DML. Und eines Tages bekam ich bei einer Session in Manchester plötzlich eine Nachricht von der A&R-Abteilung: Ich solle sofort nach London kommen, weil Fireboy ein paar Stunden Zeit im Studio hätte. Alles kam ganz spontan zustande. Als ich ihm dieses Instrumental vorgespielt habe, fing er sofort an, Lyrics über eine Blockparty in Südamerika zu improvisieren. Es war beeindruckend, das zu sehen, denn er hatte noch nie so eine Musik gehört. Und seine Texte fingen genau dieses euphorische Gefühl ein. „So Many Colours“ (mit Poppy Baskcomb) Ich habe schon oft mit Poppy zusammengearbeitet, sie ist eine fantastische Songwriterin. Sie schickte mir die Idee – nur ihre Stimme und der Bass im Hintergrund –, und als ich das grobe Konzept gehört hatte, wusste ich genau, wie das Ganze klingen sollte. Der Gesang war so gut, dass sich der Rest fast von selbst ergab. Ich schrieb den Track vor meiner Headline-Show im Alexandra Palace [im März 2025] und stellte mir vor, wie er in dieser Halle wirken würde. Als wir ihn dort zum ersten Mal spielten, war das unglaublich. „Original Don“ (mit Fireboy DML und IRAH) IRAH ist eine der prägendsten Stimmen des Drum ’n’ Bass unserer Zeit. Er hat die außergewöhnliche Fähigkeit, zwischen Gesang und dem MCing von Bariton-Dancehall-Texten zu wechseln. Die Idee für den Track entstand aus diesem Konzept des Gesangswechsels. Außerdem wollte ich mit Breakbeats und Oldschool-Produktionstechniken auf die ursprünglichen Pionier:innen des D ’n’ B verweisen. Der Song ist inzwischen zu einem der größten Highlights meines Sets in diesem Jahr geworden. „Elevate“ Ich habe mit der wunderbaren Songwriterin Jo Hill an diesem Song gearbeitet. Da sie aus der Indie-Szene kommt, wollten wir einen Indie- und Electro-Vibe der frühen 2000er in den Track einfließen lassen. Der Höhepunkt des Songs sind die Gang-Vocals, die ich besonders liebe, weil sie bei den Live-Sets immer zu einem Mitsingmoment führen. Technisch ist das eine echte Herausforderung, weil es so klingen muss, als wären es viele verschiedene Stimmen, obwohl es nur eine Person ist, die im Studio mehrere Takes übereinanderlegt. „Entwined“ (mit Grimes) Seit sie ihr erstes Album veröffentlicht hat, wollte ich immer schon mit Grimes zusammenarbeiten. Vor etwa einem Jahr hat sie mich ganz unerwartet kontaktiert, was wirklich aufregend war. Wir haben dann angefangen, gemeinsam in L.A. zu arbeiten. Sie liebt die Cyberpunk-Ästhetik meiner Musik, und ich wollte ihre Stimme über einer dunkleren, schwereren Seite des D ’n’ B zur Geltung bringen – inspiriert von Acts wie Bad Company und Noisia, mit deren Sound ich aufgewachsen bin. „On & On“ (mit bbyclose) bbyclose ist eine weitere talentierte Songwriterin, mit der ich unbedingt zusammenarbeiten wollte, nachdem ich letztes Jahr ihren viralen Hit „Kisses“ gehört hatte. Wir wollten einen Track machen, der wie ein Dance-Manifest klingt und die Szene dazu ermutigt weiterzumachen. Das Instrumental, das ich produziert habe, basiert auf UK-Garage-Produktionstechniken mit abgehackten Vocals – eine Anspielung auf Künstler:innen wie Todd Edwards, den ich Anfang der 2000er viel gehört habe. „Roll Too Deep“ (mit Subsonic) „Roll Too Deep“ ist ein Mash‑up aus verschiedenen Einflüssen und für mich eher ein Track für echte Drum ’n’ Bass-Fans. Die Vocals sind inspiriert von Marlon Hoffstadts „It’s That Time“, das frühen 90er-Rap über House zitiert, während das Riff stark vom Trance der 2000er geprägt ist. Es ist ein weiterer wichtiger Track in meinen Sets dieses Jahr. „Go Back“ (mit John Summit und Julia Church) Ich wollte einen Track mit Tempowechsel machen, inspiriert von alten Chicago-House-Tunes wie Lil’ Louis’ „French Kiss“. Diese Technik hört man heute kaum noch. Als ich dann mit dem Schreiben des Songs begann, hat es richtig gut funktioniert. Und inzwischen ist es der größte Track in meinen und Julias Sets. Ich glaube, dieser Song hat meinen Sound einem ganz neuen Publikum in den USA nähergebracht. „Water & Fire“ (mit Connie Constance) Ich möchte immer die verschiedenen Subgenres von D ’n’ B zeigen. „Water & Fire“ geht mehr in die melodische Richtung. Alles hat sich gefügt, als ich wusste, dass ich einen abgehackten Lead-Gesang wollte. Connie ist eine tolle Sängerin mit einem einzigartigen Klang, und ihre Stimme hat perfekt mit den Akkorden und der Melodie harmoniert. Der Track hat einen ganz anderen Vibe als vieles, was ich bisher gemacht habe. Darauf bin ich sehr stolz. „Lost In Heaven“ (mit Emily Makis) Ich habe gesehen, wie Emily die Idee in einem Instagram-Reel gepostet hat, in dem sie sie an einem Flughafen über ein Instrumental singt. Das hat mich total fasziniert. Ich habe ihr eine Nachricht geschickt, und sie war sofort bereit, mit mir zusammenzuarbeiten. Ich wollte das beatlose Gefühl der ursprünglichen Idee lange im Song beibehalten, weil es mich an sogenannte Devil Mixes erinnert – Grime-Instrumentals, bei denen Rapper ohne Beat improvisieren. Ich liebe diese Atmosphäre, und es ist einer der wenigen ruhigen Momente auf dem Album. „Push The Tempo“ (mit Katy B) Ich kenne Katy schon lange, wir gehen sogar zum selben Fitness-Coach. Sie ist eine Legende. Als wir die Idee im Londoner Studio entwickelt haben, hat mich das sofort an ihre Klassiker wie „Katy On a Mission“ erinnert – nur im Drum ’n’ Bass-Kontext. Es war sehr aufregend, endlich mit ihr zu arbeiten. „Let Your Body Rock“ Den Song habe ich schon vor einer Weile für die erste „Circular Sound“-Liveshow im Printworks in Südlondon gemacht. Ich liebe es, in meinen Produktionen Techno einzubringen, und dieser Track ist stark davon beeinflusst. Ich wollte in meinem Set unbedingt einen Moment schaffen, der wie ein Reset wirkt – mit einem cineastischen Breakdown, instrumentaler Entwicklung und vielen Wechseln. Ein hypnotischer Sound, der perfekt zur Dramaturgie eines Livesets passt. „Wildfire“ Als ich den Track mit Jo Hill geschrieben habe, wusste ich sofort, dass er die erste Single wird – er hat einfach einen ansteckenden Vibe. Wenn ich über den Aufbau eines Albums nachdenke, finde ich es schön, am Anfang Neues zu präsentieren und gegen Ende Dinge, die die Leute vielleicht schon kennen. Deshalb ist „Wildfire“ auch der vorletzte Track. Ich habe viel frühen 2000er-Trance gehört, mit zerhackten Synth-Melodien. Das hat stark beeinflusst, wie ich das Instrumental gestaltet habe. „Fade“ (mit Inez) „Fade“ ist in letzter Minute entstanden, als das Label mich schon täglich anrief. Inez war zufällig genau in der Woche in London, in der ich Vocals brauchte – perfektes Timing. Alles ging total schnell, und sobald ich die Akkorde aufgenommen hatte, wurde mir klar, dass der Song ein episches Finale hat. Seitdem ist er der Abschluss all meiner Livesets. Liveshows sind eine echte Bestandsprobe: Man merkt sofort an der Reaktion der Menge, ob ein Track bereit für die Veröffentlichung ist. Zum Glück hat dieser hier immer funktioniert.