

Das Konzept: „Um es in einem Satz zusammenzufassen: Liebe in Zeiten des Chaos“, erzählt James Blake im Gespräch mit Apple Music über sein siebtes Studioalbum (und sein erstes als unabhängiger Künstler). „Ich hatte Schwierigkeiten, mein eigenes Leben und meine eigenen Erfahrungen – Liebe, Freundschaft, Leidenschaften, Depression oder was auch immer man gerade durchmacht – mit der gemeinsamen Angst und dem kollektiven Empfinden in Einklang zu bringen.“ Die Geschichte: Seit er Ende der 2000er-Jahre als Aushängeschild des Post-Dubstep bekannt wurde, lässt sich der britische Musiker kaum noch in eine Schublade einordnen. Innerhalb weniger Jahre veröffentlichte er ein KI-gestütztes Ambient-Klangwerk zum Einschlafen („Wind Down“, 2022), ein Soloalbum, mit dem er zu seinen elektronischen Wurzeln zurückkehrte („Playing Robots into Heaven“, 2023), und ein gemeinsames Projekt mit Lil Yachty („Bad Cameo“, 2024). Nebenbei produzierte er ausserdem Hits für Musiker:innen wie Travis Scott oder ROSALÍA. Der 37‑Jährige sucht in einer zunehmend zerrissenen Welt Zuflucht in der Liebe – mit all ihren Höhen und Tiefen – und denkt gleichzeitig darüber nach, wie Künstler:innen heute nicht nur bestehen, sondern sich auch entfalten können. Die wichtigsten Tracks: „I don’t know how we got here/But I think we might be sleeping/I think we might be walking/To the death of love“ („Ich weiss nicht, wie wir hierhergekommen sind / Aber vielleicht schlafen wir / Vielleicht gehen wir / Dem Tod der Liebe entgegen“), singt Blake über dem langsam anschwellenden „Death of Love“ – ein Song, der es in den letzten Jahren in seine Live-Sets geschafft hat. „Er entstand in einer Zeit, in der ich spürte, wie das menschliche Mitgefühl nachliess. Das Internet wurde zu einem ziemlich beängstigenden Ort. Ich weiss nicht, ob ich je ein Gespräch geführt habe, das so böswillig war wie vieles von dem, was online abgeht. Der Algorithmus macht die Leute wütend und belohnt genau diese Art von Verhalten und Interaktionen.“ Können unsere Beziehungen zu geliebten Menschen uns retten? Der Titeltrack „Trying Times“, ein Space Rock-Liebeslied am Ende der Welt, scheint das zu glauben. „‚Trying Times‘ ist zudem als Ausdruck wohl die grösste Untertreibung unserer Gegenwart. Hier kommt der typische englische Sarkasmus ins Spiel“, sagt der Musiker. „So nach dem Motto: Auch wenn in England etwas unglaublich Schlimmes passiert, sagt man einfach: ‚Trying Times.‘“ Harte Zeiten eben. Das Fazit: „Ich bin besessen von diesem Album, es ist mein Lieblingsalbum von mir“, betont Blake. „Mir ist klar, so etwas sagen alle Künstler:innen, aber ich glaube, eine stärkere Leistung hätte ich nicht abliefern können. Dafür stehe ich morgens auf – um genau das zu machen. Und mit 25 Jahren Erfahrung weiss ich genau, was ich da tue.“