The Summer That Saved Me

The Summer That Saved Me

Es war eine lange Reise. Nachdem der britisch-nigerianische Musiker Odeal seine Kindheit in verschiedenen Ländern Europas verbracht hatte, liess er sich 2017 in London nieder. Damit zog er auch einen Schlussstrich darunter, die Freuden und das Chaos des Lebens an unterschiedlichen Orten zu erleben. „Was meine Musik so besonders macht, sind die Quellen meiner Inspiration“, sagt Odeal gegenüber Apple Music. „Ich war erst ständig den verschiedenen Einflüssen der Welt ausgesetzt, jetzt ist das eingeschränkt. Diese Veränderung hat sich darauf ausgewirkt, wie ich die Dinge sehe und wie ich Musik mache.“ Aber auch wenn der Musiker jetzt Wurzeln in London geschlagen hat, hat er seine Neugier und seinen Sinn für die Kunst nicht verloren. Schon seit seiner EP „New Time“ aus dem Jahr 2017 hat sich Odeal den ungehemmten Gefühlsausbrüchen und beschwingten Melodien der Neo-R&B-Einflüsse im Afropop verschrieben. So vermischt auch sein neues Album „The Summer That Saved Me“ weiter die Dynamik einer modernen Liebesgeschichte mit einem prägenden Schuss Weltoffenheit – typisch Odeal eben. Im passend betitelten Lied „London Summers“ besingt der Musiker etwa, wie die Einwohner:innen der englischen Hauptstadt in den wärmeren Monaten zusammenkommen. Damit will der Musiker eine erst letztens wieder aufgeflammte Lebensfreude feiern: „Diesen Sommer konnte ich zum ersten Mal richtig das machen, was ich wollte – überall hingehen, mich mit verschiedenen Versionen meiner Selbst beschäftigen und einfach leben“, erzählt er. „Bei diesem musikalischen Projekt geht es darum, wie es sich anfühlt, endlich entdecken, fühlen und frei sein zu können. Jeder Song des Albums verkörpert diese Energie.“ Im Folgenden führt uns Odeal Track für Track durch „The Summer That Saved Me“. „Miami (feat. Leon Thomas)“ „Miami“ fängt den Anfang und das Ende eines bestimmten Moments im Sommer ein. Es geht um eine Person, die ich [während meiner Reisen] kennenlernte. In der ersten Hälfte des Songs beschreibe ich den Moment, in dem wir uns zum ersten Mal sahen und uns direkt zueinander hingezogen fühlten. In der anderen Hälfte reflektiere ich, was mir diese Person mit ihrer Präsenz und ihrer Ehrlichkeit gegeben hat. Sie hat mich, ohne es zu wissen, quasi therapeutisch behandelt. „London Summers“ Wenn in London Sommer herrscht, zeigen sich die Leute von ihrer besten Seite. Die kollektive Stimmung verändert sich zum Positiven: Alle lächeln, überall ertönt Musik, die Parks sind voller Menschen und es liegt eine Art von echter Freude in der Luft, die man sonst nur selten spürt. Dieses Projekt hat den Vibe eines Sommers, den man auf der ganzen Welt verbringt. Und dieser Track bringt dieses Gefühl nach Hause: Er stellt London in den Fokus – und wie die Stadt aufblüht, wenn die Sonne scheint. „My Heart“ Während ich bei „London Summers“ und „Miami“ einen umfassenderen, eher cineastischen Ansatz gewählt habe und darin Orte, Vibes und Bewegung einfange, liegt der Fokus hier nur auf einer einzigen Szene. Es wird intim, emotional und ungefiltert. Wir alle kennen diese intensive Anziehungskraft, diesen tief bewegenden Moment, in dem jegliche Logik ignoriert wird. Du lässt einfach dein Herz das Steuer übernehmen, weil es noch weiss, was wichtig ist. „Obi’s Interlude“ Hier zeige ich mich von meiner verletzlichsten Seite. Meine Mutter nennt mich Obi – was auf Igbo „Herz“ bedeutet. Bei diesem Song lasse ich mich davon leiten. Keine Maske, keine aufgesetzte Performance, einfach ich. Ich versuche hier, aus vollem Herzen zu lieben und eine Person zu erreichen, die verletzt wurde, die Angst hat, die sich immer wieder zurückzieht. Es tut weh, eine echte Seite von sich preiszugeben und trotzdem nicht reingelassen zu werden. So, als ob es da etwas Grösseres gibt, das zwei Menschen davon abhalten will, eine Verbindung zueinander aufzubauen. „Monster Boys“ Auf „Monster Boys“ zeige ich mich spielerisch und selbstsicher. Die Darbietung ist locker, aber gleichzeitig mit Intention. Sie bringt diese nostalgische Energie der älteren Odeal-Alben in die Gegenwart. Der Track kommt direkt nach dem schweren und gefühlsbetonten „Obi’s Interlude“ und hebt so die Stimmung. Dennoch gehört er zur gleichen Reise, die eben nicht nur emotional ist, sondern auch eine schöne, aufregende Seite hat – wenn es so scheint, als ob alles endlich klappt. „Patience“ Hier geht es darum, Menschen wertzuschätzen, die sich Zeit lassen – in meinem Fall eine Frau, die es langsam angehen lässt und alles mit Bedacht macht. Das hat mich zuerst frustriert. Ich wollte, dass alles schnell geht, mich einfach Hals über Kopf reinstürzen. Aber mit der Zeit fing ich an, sie zu verstehen und ihre Geduld zu bewundern. Sie ist vorsichtig, sie ist vernünftig und sie überstürzt nichts, nur weil es sich gut anfühlt. Im Refrain bezeichne ich sie als „Delilah“ und spiele damit auf die Geschichte aus der Bibel an. Darin bringt Delila Samson dazu, sich zu ändern und Dinge so zu tun, wie er sie normalerweise nicht machen würde. Die Geduld dieser Frau hat mich auf ähnliche Weise einen Gang runterschalten und mein Handeln überdenken lassen. „In the Chair“ In diesem Song thematisiere ich die Spannung zwischen Liebe und Distanz – wie es einem das Herz bricht, weit weg von einer Person zu sein, bei der man sich einst geborgen gefühlt hat. Ich war ständig unterwegs, reiste um die Welt und suchte nach einer Bestimmung. Aber so verlor ich den Kontakt zu einer Frau, die mir unglaublich wichtig war. Dieses Lied ist mein Weg, das endlich einzugestehen. Ich war nicht da, als es am nötigsten war. Und vielleicht liess diese Abwesenheit sie denken, dass ich ihre Liebe nicht verdiene. Was aber am meisten weh tut: Ich brauche diese Liebe weiterhin. Und ich glaube immer noch daran.