

„Ich merke immer mehr, dass ich wirklich das Album gemacht habe, das ich gebraucht habe, um mich selbst zu heilen“, erzählt Kali Uchis bei Apple Music über „Sincerely,“, ihr bislang vielleicht befreiendstes Werk. Die kolumbianisch-amerikanische Singer-Songwriterin hat sich nie mit Leichtigkeit oder Belanglosigkeit aufgehalten – weder auf Englisch noch auf Spanisch. Doch dieses neue Album, das an ihr 2024 erschienenes Doppelwerk „ORQUÍDEAS“ anknüpft, wirkt wie etwas wirklich Einzigartiges – und erscheint etwa ein Jahrzehnt nach ihrer vielversprechenden Debüt-EP „Por Vida“. Die meisten Songs entstanden als einfache Sprachnotizen, die zufällig in inspirierenden Momenten ausserhalb der Enge und des Drucks einer Studioumgebung aufgenommen wurden. „Es fühlte sich irgendwie so an, als würden die Botschaften direkt durch mich hindurchkommen, und ich musste sie einfach rauslassen“, sagt sie. Angesichts dieser natürlichen Entstehung überrascht es kaum, dass auch der Produktionsprozess unkonventionell verlief – jenseits gängiger Branchenstandards, oft zu Hause aufgenommen oder an ungewöhnlichen Orten. Und obwohl ihr zahlreiche prominente Gaststimmen zur Verfügung gestanden hätten, verzichtete sie auf Features. „Wenn man emotionale Musik macht, muss man sich auch mit schwierigen Themen auseinandersetzen“, sagt sie – ein klarer Kontrast zu ihrem vorherigen, von Stars gespickten Album. Das Ergebnis: „Sincerely,“ wirkt auf eine entwaffnende Weise intim – gerade für ein Album, das sich formal dem Pop zuordnen lässt, auch wenn es von einer so experimentierfreudigen Künstlerin wie Uchis stammt. Die ergreifenden Momente des Openers „Heaven is a Home…“ und des Abschlussstücks „ILYSMIH“ thematisieren die Liebe in grossen, weit ausholenden Gesten, wobei der Tod ihrer Mutter und die Geburt ihres Sohnes das Werk spürbar tief geprägt haben. Einflüsse wie die Cocteau Twins und Fiona Apple durchziehen die Stücke zwischen diesen beiden Eckpunkten. „Es steckt viel Trauer darin, aber auch viel Freude“, sagt sie über Songs wie „Silk Lingerie,“ oder die pulsierenden Grooves von „Territorial“. Die auffällige Zeichensetzung in Titeln wie „Lose My Cool,“ und „For: You“ sind ein Verweis auf die fliessende Prosa ihrer Texte, die zu einem noch grösseren Ganzen beitragen. „Ich denke, es ist auf seine Weise eine Feier des Lebens“, sagt sie, „im Sinne davon, Schönheit im Schmerz zu finden und das Gute mitzunehmen.“