

Miranda Lambert mag in Nashville gross herausgekommen sein, aber Texas wird immer die wichtigste Inspiration für die Country-Ikone bleiben. Wie schon auf „The Marfa Tapes“ (2021), einem Gemeinschaftsprojekt mit ihren texanischen Landsleuten Jon Randall und Jack Ingram, teilt Miranda Lambert Skizzen und Momentaufnahmen aus dem Lone Star State, gefiltert durch ihre gleichermassen introspektive wie humorvolle Perspektive. „Postcards From Texas“ ist Lamberts neuntes Studioalbum und das erste Solowerk, das sie seit ihrer Jugendzeit in ihrem Heimatstaat Texas aufgenommen hat. Dementsprechend heimelig und vertraut wirkt die Aufnahme, etwa im nachdenklichen und verspielten „Looking Back On Luckenbach“ und dem entspannten Liebeslied „January Heart“. „Bitch On The Sauce (Just Drunk)“ ist mehr als nur ein frecher Titel, der die Komplikationen einer Beziehung anreisst. Und der Eröffnungssong „Armadillo“ ist ein echter Knaller, mit dem unvergesslichen Bild eines Gürteltiers mit einem Joint. Lambert erklärt gegenüber Apple Music, dass „Postcards From Texas“ ein Produkt sowohl der jüngsten Veränderungen in ihrem Leben als auch ihrer gesamten Karriere ist. „Mit 40 und [dem Wechsel zu] einem neuen Plattenlabel fühlte ich eine neue Freiheit“, sagt sie. „Und mit dieser Freiheit wollte ich einfach nur nach Hause zurückkehren, um mich neu zu ordnen und Kraft für eine ganz neue Reise zu schöpfen. Deshalb ist dieses Album, glaube ich, eher ein Schnappschuss von zwei Jahrzehnten als von den letzten zwei Jahren. Es enthält Emotionen, die ich in den vergangenen zwei Jahrzehnten als Frau [und] als Künstlerin gefühlt habe. Das Einzige, was ich noch nicht getan habe, ist, ein grosses Gürteltier in meinem Auto mitzunehmen, aber das will ich noch tun.“ Im Folgenden gibt Lambert einen Einblick in einige der wichtigsten Tracks. „Armadillo“ Aaron Raitiere hat mir diesen – den ersten – Song geschickt. Ich war gerade in Österreich unterwegs, weil ich ein Konzert in der Schweiz gespielt habe und [mein Mann] Brendan und ich nach Österreich gefahren waren. Wir fuhren dort durch die Berge und ich setzte meine Ohrstöpsel auf und hörte Aaron sagen: „Hier ist eins.“ Und dann kam: „I met an armadillo out in Amarillo and he asked me for a ride“ („Ich habe draussen in Amarillo ein Gürteltier getroffen, das mich um eine Mitfahrgelegenheit bat“). Und ich dachte: „Okay, ja, 100 Prozent ja, das mache ich.“ Ich hab gar nicht mehr weitergehört. Ich gab Brendan einen Ohrstöpsel und er meinte auch: „Ja, 100 Prozent.“ Ich dachte: „Das sollte der erste Song auf der Platte sein.“ Einfach, weil er lustig ist … Wenn du ein Album voller Songs hast und es so viele Emotionen gibt, musst du dafür sorgen, dass der Spass nicht zu kurz kommt. „Dammit Randy“ Ich habe bestimmte Situationen in meinem Leben definitiv zu lange hinausgezögert. Und ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass man mit zunehmendem Alter und durch die Dinge, die man durchmacht, sieht, was passiert, wenn man es schleifen lässt. Man lernt, es einfach abzuschliessen. „Run“ Ich glaube, der Grund, warum ich Pferde und Airstreams und den [Tour-]Bus liebe, ist, dass man damit auf etwas zu- und nicht unbedingt von etwas weglaufen kann. Ich glaube, deshalb war ich schon immer besessen von Wohnwagen. Vielleicht liegt es daran, dass ich in einem Tourbus aufgewachsen bin, aber ich habe einfach das Gefühl, dass ich meinen Traum verfolgen kann und gleichzeitig ein Stück Heimat dabei habe. „Alimony“ Shane [McAnally] kam in die Scheune, weil wir den letzten Anlauf nahmen, für das Album zu schreiben, und ich sagte: „Ich nehme in Texas auf. Ich brauche einen Shuffle. Verdammt, ich brauche einen Shuffle. Das muss sein.“ Er sagte: „Tja, ich habe hier einen Titel.“ Und ich: „Was?“ Er: „If you're going to leave me in San Antonio, remember the alimony.“ („Wenn du mich in San Antonio verlässt, denk an die Alimente.“) Und ich sagte: „Ich könnte dir jetzt buchstäblich ins Gesicht schlagen.“ Verdammt, warum bin ich nicht darauf gekommen? Wir konnten alle unsere kleinen texanischen Wortspiele verwenden und es hat Spass gemacht. „I Hate Love Songs“ Bei diesem Lied bekomme ich eine Gänsehaut. Wirklich. Ich schrieb es in Marfa mit [Jon Randall] und Jack [Ingram], es ist schon älter. Etwa sechs oder sieben Jahre alt, glaube ich. Dieser Song steckt voller Schmerz. „No Man’s Land“ Ich glaube nicht, dass ich einen Song wie diesen schon früher hätte schreiben können, denn er ist einer der neuesten auf dem Album. Luke Dick hatte die Idee, und ich liebe ihn, weil er die Frauen einfach versteht. Er ist ein echter Mann, aber auch so ein sensibler Typ. Er versteht die Verbindungen. Er ist auch ein Mädchenvater, und das hat sicherlich geholfen. Wir haben nie darüber gesprochen, aber ich will mit ihm darüber reden und ihn feiern, weil ich den Song so sehr liebe. Er musste einfach gemacht werden und es sollte kein „Ich bin im Niemandsland, während du ins Blaue rätst“-Song werden. Darum geht es hier nicht. Ich möchte in deiner Sphäre sein. Ich möchte, dass du in meiner Sphäre bist … Ich möchte, dass du weisst, dass ich dich hier haben will, aber ich muss ich selbst bleiben. Und das ist der Song. Wir haben wirklich darauf geachtet, klarzumachen, dass es keine Warnung ist.