Lorde Essentials

Lorde Essentials

„In den letzten zehn bis zwölf Jahren – und eigentlich schon länger – gab es dieses ständige Bedürfnis, gemocht zu werden, Zustimmung zu bekommen, die Favoritin zu sein“, erzählte Ella Yelich‑O’Connor im Jahr 2025 Zane Lowe von Apple Music. Sie sprach damit auch über den Moment, als sie mit 16 quasi über Nacht zum Popstar wurde: „Royals“, ihre Debütsingle aus dem Jahr 2013 als Lorde, war ein Riesenerfolg, der die Popmusik jahrelang prägte. Gar nicht schlecht für ein Teenager-Mädchen aus einem Vorort irgendwo in Aotearoa/Neuseeland, das mit einer Mischung aus grüblerischem Gesang, schonungsloser Ehrlichkeit und reduziertem Electro‑Pop das Album „Pure Heroine“ schuf. Dieses sollte es später in die Liste der 100 besten Alben auf Apple Music schaffen. Auf „Melodrama“ (2017) fand Yelich‑O’Connor dann neue Stärke, diesmal in verschiedenen Formen der Isolation. Das Album klang weltmüde und häufig tagebuchartig, trotzdem blieb auch Platz für Euphorie: etwa, wenn die Leadsingle „Green Light“ plötzlich in einem Strudel aus Selbstermächtigung explodiert. Mit „Solar Power“ (2021) veränderten sich Yelich‑O’Connors Stimmung und Image grundlegend. Auf dem Cover sprang sie durch die Sonne, musikalisch ließ sie sich von Laurel Canyon und Primal Scream inspirieren. Der Titeltrack klang leicht und luftig, doch ihre Schärfe als Texterin blieb: In Songs wie „Mood Ring“ dachte sie über die Vergänglichkeit der Zeit nach, in „Stoned at the Nail Salon“ über das Verblassen von Schönheit. 2025 folgte mit „Virgin“ eine weitere Neuerfindung. Inzwischen lebt die fast 30‑jährige Musikerin als erfahrene New Yorkerin und reflektiert Themen wie das Absetzen der Pille oder die Möglichkeit, Mutter zu werden. Im ergreifenden „David“ blickt sie zurück auf die Anfänge ihrer Karriere: Sie erinnert sich an die Zeit, als ihr Debütalbum völlig unterschätzt wurde und sie einfach tat, was man ihr sagte. Umso erfrischender ist es, zu sehen, wie sie heute in jeder neuen Ära ihre künstlerische Freiheit konsequent in den Mittelpunkt stellt.

Künstler:innen im Spotlight