

Ende 2024 veröffentlichte Eve Jeffers, bekannt unter ihrem Künstlernamen Eve, gemeinsam mit der Musikjournalistin Kathy Iandoli ihre Autobiografie „Who’s That Girl?: A Memoir“. Als Grammy-Gewinnerin für ihre Arbeit mit Gwen Stefani konnte sie sich problemlos mit Größen wie DMX und anderen Kolleg:innen beim Ruff Ryders-Label messen. Kein Wunder also, dass sie als eine der angesehensten MCs aus der hart umkämpften Hip‑Hop-Szene von Philadelphia hervorging – und sich langfristig behaupten konnte. Ihre Lebensgeschichte zu Papier zu bringen, erschien ihr wie der nächste logische Schritt. „Einem großen Teil meiner Verletzlichkeit in diesem Buch liegt dieser Gedanken zugrunde: ‚Wenn ich ein Buch schreiben will – [wenn] ich alles offenlegen will –, dann will ich ehrlich sein‘“, erzählt Eve Ebro in der neuesten Folge von „The Message“. „Ich erinnere mich, dass ich bei manchen Geschichten vor der Veröffentlichung des Buchs dachte: ‚Oh mein Gott, soll ich das wirklich erzählen?‘ Aber ich hab’s getan. Denn alle machen etwas durch, und man muss hören, dass andere das auch durchmachen, damit man sich nicht allein fühlt.“ Als Texterin übertraf die MC, die sich selbst einmal als „illest pitbull in a skirt“ („heftigster Pitbull in einem Rock“) bezeichnete, von Anfang an alle Erwartungen: zunächst als ungenannte Gastsängerin in „You Got Me“, jenem Song, der das Schaffen von The Roots entscheidend prägte. Kurz darauf lieferte sie sich als First Lady des Ruff Ryders-Clans regelmäßig Rap-Battles mit The LOX und DMX. Gleichzeitig schuf sie Texte, die Frauen in ähnlichen Lebensumständen berühren würden. Ein besonders eindringliches Beispiel für diese Allianz unter Frauen ist „Love Is Blind“: Eve widmete diese wahre Geschichte einer Freundin, die in einer gewalttätigen Beziehung gefangen war. „Ich bin Ruff Ryders ewig dankbar, denn damals gab es keine Musik wie diese“, erklärt sie. „Die zwei Strophen von ‚Love Is Blind‘ sind ein Gedicht, das ich mit 16 schrieb. Meine Freundin war damals 17, sie war mit einem älteren Kerl zusammen, der sie praktisch aushielt. Sie wurde schwanger. Sie kam mit blauen Augen zu mir – es war unglaublich. Ich war die einzige Person, die im Krankenhaus bei der Geburt dabei war. Es ist eine wahre Geschichte, und ich habe die Wirkung eigentlich erst richtig verstanden, als der Song veröffentlicht wurde. Denn da kamen die Leute auf mich zu und sagten: ‚Danke für diesen Song. Meine Schwester hat das durchgemacht‘ oder ‚Ich mache das gerade durch, aber ich habe mir Hilfe gesucht.‘“ Für ihre „The Message“-Playlist ließ sich Eve von ihren vielen Inspirationsquellen leiten. Dazu gehören die ultimativen Drogen-Raps von Clipse’ „P.O.V.“ sowie aktuelle Musik einer R&B-Legende, die noch immer auf höchstem Niveau abliefert: Mariah Careys „Type Dangerous“. Die junge MC GloRilla wiederum, die mit „LET HER COOK“ vertreten ist, setzt sich ganz im Stil von Eve selbst für die Sache der Frauen ein. „Ganz ehrlich: Nicht alle Alben sind mein Ding“, sagt Eve über das, was derzeit aus den Lautsprechern ihres Autoradios kommt. „Aber darum geht es nicht. Es geht einfach darum, wieder vermehrt weibliche Stimmen und Energie im Hip‑Hop zu haben. Das ist wichtig. Wenn ich mir die Szene ansehe, bin ich so glücklich. Lange war da so gut wie nichts. Jetzt bin ich stolz auf all die Ladys da draußen, und freue mich für sie.“