The Weight of the Woods

The Weight of the Woods

Manchmal wirkt „The Weight of the Woods“ fast zu nah, zu direkt. Dermot Kennedys Texte sind wie jene SMS, die man am liebsten nie verschickt hätte, Gedanken, die einen um 3 Uhr morgens wachhalten, zu früh ausgesprochene Schwüre für die Ewigkeit. Die Texte handeln von komplizierten Beziehungen und Lebenslektionen, doch er ist bereit, sein Herz zu öffnen und sein Innerstes preiszugeben, um Verständnis zu schaffen. Er braucht nicht mehr als ein Klavier, eine Gitarre und seine Stimme, um diese universelle Wahrheit zu teilen. Ob er sich an hohen Tönen heiser singt, mit elektronischen Beats experimentiert oder die Stahlsaiten seiner Akustikgitarre an ihre Grenzen bringt – Kennedy bleibt sich treu. Es fällt sehr leicht, ihm jedes einzelne Wort zu glauben, egal, wie opulent oder sparsam die Produktion dahinter ist. Mit seinem dritten Studioalbum tauscht der irische Singer-Songwriter das digitale Toolkit und Studio-Set‑up, das er zuletzt auf „Sonder“ (2022) bevorzugte, gegen kaum mehr als ein Klavier, eine Gitarre, gelegentliche Perkussion und einen Begleitchor ein. Dieser instrumentale Wechsel – intim und roh – passt perfekt zur emotionalen Achterbahnfahrt von „The Weight of the Woods“, wobei der zurückhaltende Künstler seine bisher persönlichste Balladenkunst präsentiert. Leben, Tod, Glaube und Liebe beschäftigen ihn, und eine fatalistische Intensität durchzieht das Album in Wellen. „Funeral“ spiegelt die Grandeur des Brill Building wider, wenn er von einer wiedergeborenen Liebe singt: „We held a funeral for heartache/We buried trouble in the grass/We didn’t bother buying roses/’Cause we ain’t ever going back“ („Wir hielten ein Begräbnis für den Liebeskummer/Wir begruben die Sorgen im Gras/Wir kauften keine Rosen/Denn wir kehren nie zurück“). „Refuge“ zeigt deutlich seine Hingabe, ohne simpel zu sein: „If we never make it/At least we can say we died trying“ („Wenn wir es nicht schaffen/Können wir wenigstens sagen, wir haben alles versucht“). „Turnstile“ enthüllt seine verzweifelte Sehnsucht: „Don’t wanna know this life without you/I’m not strong enough“ („Ich will kein Leben ohne dich kennen/Ich bin nicht stark genug“). Währenddessen thematisiert „The Only Time I Prayed“ seine Zweifel an einer höheren Macht: „It’s funny how the dark can make us all believers“ („Seltsam, dass die Dunkelheit uns alle zu Gläubigen machen kann“). Doch es sind die beiden Versionen des Titeltracks, die „The Weight of the Woods“ umrahmen – eine A‑cappella-Chorversion zu Beginn und ein leidenschaftliches Zeugnis von Kennedy am Klavier zum Abschluss – sowie Stärke in der Verletzlichkeit vermitteln. Er wuchs in einem Dorf in der Grafschaft Dublin auf, und dieses Album ist eine leise, aber eindringliche Reflexion über seinen Weg von der Kleinstadtanonymität zum internationalen Ruhm und über seinen Wunsch, in Rathcoole begraben zu werden: „If I should fall down … Get me back to my home ground/Let me add to the weight of the woods“ („Sollte ich fallen … Bring mich zurück in meine Heimat/Lass mich meinen Teil zum Gewicht des Waldes beitragen“).

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