Girl Violence

Girl Violence

Das dritte Album der aus Brooklyn stammenden Pop-Provokateurin kam in einer Zeit des Umbruchs zustande. In einem turbulenten Sommer entschied King Princess (bürgerlich Mikaela Straus), nicht nur ihr langjähriges Plattenlabel, sondern auch ihr Apartment in L.A. und ihre vierjährige Beziehung hinter sich zu lassen. Aber anstatt gegen das daraus resultierende Chaos anzukämpfen, beschloss sie, sich diesem hinzugeben. So kam ein Album zustande, das erst mal als Trennungsalbum gesehen werden könnte. Bei genauem Hinhören erkennt man aber, dass sich King Princess auf „Girl Violence“ eher stolz statt schmollend zeigt. Wo sie früher eklektische Töne anschlug, klingt sie heute verführerisch – und beleuchtet, was Frauen einander alles antun können. „Why does nobody mention that girls can be violent?“ („Warum sagt nie jemand, dass Mädchen gewalttätig sein können?”), lamentiert sie auf ihrem Titelsong, bevor sie beschließt: „I hate it, but I kinda like it“ („Ich hasse es, aber irgendwie mag ich es auch“). Nachdem sie 2023 zurück nach New York City gezogen war, begann Straus, mit zwei Produzenten aus Brooklyn zusammenzuarbeiten: Jacob Portrait von der Psych Rock-Band Unknown Mortal Orchestra und Joe Pincus, der bereits Beats für SZA und Doechii produziert hat. Gemeinsam schufen sie einen von 90er-Jahre-Electronica und reverb-lastigem Rock geprägten Sound, in dem Liebeskummer als Katalysator für Fragen rund um die menschliche Natur verwendet wird. Doo-Wop trifft auf Dream Pop in „Girls“, einem verzweifelten Song, in dem Straus in ihrer rauesten Stimme singt: „To let you back in/That would be violence/That would be chaos/I wanna try it.“ („Dich wieder in mein Leben zu lassen/Das würde Gewalt bedeuten/Das würde Chaos bedeuten/Ich will es probieren“). Zum Glück stärkt all das Drama den Charakter: In „Origin“, einem sinnlichen Downtempo-Stück, zeigt sie sich wieder selbstbewusster: „I’ve had to face fire, fight fear/And spend a lot of time in the mirror/And I’m cool, I’m weirder/I’m hot, I’m deeper/I’m starting to feel myself again.“ („Ich musste mich dem Feuer stellen, meinen Ängsten/Und viel Zeit vor dem Spiegel verbringen/Und ich bin cool, ich bin sonderbarer/Ich bin heiß, ich bin nachdenklicher/Langsam fühle ich mich wieder wie ich selbst“.)