Der Regen

Der Regen

Stell dir eine Jackentasche voller Zettel vor: kleine Beobachtungen, große Fragen, vom echten Leben ein wenig zerknittert. Genau so präsentiert Dota Kehr die Songs auf ihrem Album „Der Regen“. Mit dem Blick einer Chronistin, die Wärme kennt – und dennoch die scharfen Kanten unseres Daseins nicht weichzeichnet. Schon der Auftakt „Apokalyptische Reiter“ macht klar, wohin der Ritt geht. Nämlich in Richtung poetischer Deutschpop mit Gegenwartsgefühl, getragen von einer Stimme, die eher erzählt als performt. Musikalisch bewegt sich „Der Regen“ zwischen Singer-Songwriter-Pop und Band-Arrangements, die warm und organisch schimmern und viel Raum für Text und Stimme lassen. In den Songs tauchen Wörter auf, die man sonst eher in Nachrichten, Banking-Apps oder WG-Küchen vermuten würde: „Bitcoins“, das „Berliner Mietenlied“, „Fortschritt“. Kehr verwandelt solche Begriffe in Szenen, die mal wie Miniaturen, mal wie kleine, melodiöse Essays daherkommen. Was dabei hängen bleibt, ist diese besondere Mischung aus Empathie und Klarheit: Sie stellt Fragen, öffnet Blickwinkel und lädt zum Mitdenken ein, ohne den Zeigefinger zu heben. Und dann sind da diese ganz stillen, fast filmischen Momente: „Das Meer schaut mich an“, „Allerliebst“, „Wind unter den Flügeln“. Aus gesellschaftlichem Rauschen wird plötzlich etwas Persönliches – als würde sich das Wetter verändern. „Der Regen“ verlängert Gespräche. Über Widersprüche, über Nähe und über das, was man aushält, obwohl man längst müde ist.