

Ernst blickt er uns vom Cover seines neuen Albums entgegen. Sein Kragen ist bis über das Kinn hochgezogen, ganz so, als rechne er damit, es könne jeden Moment ein Sturm losbrechen. Und gleich im Opener „Visionen“, atmosphärisch dicht produziert von Blurry und Babyblue, berichtet Dardan berührend von seiner Kindheit, von seinem Lebensweg: „Mit Spielzeugpistolen und Stöcken jagen wir Träume.“ Er blickt zurück und nach vorn, schildert in klaren Bildern die Diskrepanz zwischen Herkunft und Aufstieg. „CATCH ME IF YOU CAN“ ist das Dokument eines Künstlers, der seiner Zeit voraus sein will – oder zumindest allen anderen. Der Albumtitel ist dabei nicht nur eine Referenz auf den Hochstaplerfilm, sondern auch programmatischer Anspruch. Ist es also das große, biografische Album, der Beginn eines neuen Kapitels in Dardans Kunst? Die Antwort: ein klares Jein. Zwar zeigt sich der Stuttgarter Rapper auch an anderer Stelle reflektiert, schärft seine Perspektive und verfeinert den Ausdruck. Gleichzeitig aber bleibt er auf jenem Kurs, den er seit mittlerweile acht Alben verfolgt, und mixt Melancholie mit Hedonismus. Der Sound ist international: Im sonnendurchfluteten „Tutto Bene“ trifft Dardan auf den spanischen Rapper Morad, in „Zizou“ ist der Belgier DYSTINCT mit am Start. In „Top Shelf“ teilt Dardan sich das Mic mit dem Newcomer Avie und dem französischen Rapper Zkr, der seinen Part in melodiösem Straßenrap-Flow liefert. Aber auch für einen Veteranen der deutschen Szene ist Platz: Es ist berührend, auf dem abschließenden „Money & Power“ den 2025 verstorbenen XATAR noch einmal zu hören. Zu Oldschool-Beats berichtet er aus seinem Leben und von seinen Expeditionen ins „Schwabenland“. Aber auch an anderer Stelle geht „CATCH ME IF YOU CAN“ unter die Haut. In „Psycho“, einem Team‑up mit Hava, heißt es: „Wenn du nicht bei mir bist, find’ ich keine Ruhe mehr in der Nacht.“ So überzeugt das Album gleich auf mehreren Ebenen: Es ist ein Brückenschlag zwischen den Emotionen und den Sprachen – und ein Update aus der Welt eines Artists, der kaum noch als klassischer Deutschrapper zu fassen ist. Und doch hört man Dardan in jedem Ton. Der Beat sitzt immer, der Flow ist da, der Style sowieso. Nur der Blick hat sich noch einmal geweitet.