

Für manche mag es für den einst allgegenwärtigen Hip-Hop-Star kein Zurück mehr geben. Doch dass Yes jüngere Musik keinesfalls an Relevanz verloren hat, zeigen die Charterfolge der beiden „VULTURES“-Alben von 2024 mit Ty Dolla $ign. Mit „BULLY“ – samt vorangegangener Entschuldigung – kehrt der ehemals als Kanye West bekannte Künstler ins Rampenlicht zurück, um sich erneut dem Urteil seines Publikums zu stellen. Aus seiner dreiteiligen EP gleichen Namens von 2025 hat er mit „BULLY“ ein vollwertiges Album gemacht, wobei die bereits bekannten Songs ans Ende rücken. Gleich zu Beginn fasst er auf „KING“ seine Lage zusammen, getragen von einem elektronisch geprägten Prog-Rock-Sound, der an den Maximalismus von „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ erinnert. Viele der neuen Tracks bleiben dabei unter zwei Minuten, etwa „HIGHS AND LOWS“ oder „WHATEVER WORKS“. Dieser Ansatz der Verkürzung ermöglicht es ihm zum einen, zu den prägenden Stilrichtungen seiner früheren Jahre zurückzukehren – wie man im von Chipmunk Soul durchzogenen „PUNCH DRUNK“ hören kann. Zum anderen ebnet er den Weg für Experimente mit zeitgenössischen Stilen, wie das Trap-geprägte „THIS A MUST“ zeigt. Auch wenn Ye klar im Mittelpunkt steht, setzen auch einige Gäste Akzente: Sein einstiger Protégé Travis Scott sorgt auf „FATHER“ für Energie, während Don Toliver im samplelastigen „CIRCLES“ auftaucht. Auch CeeLo Green, der erst vor kurzem das dritte und letzte Gnarls Barkley-Album abgeliefert hat, gibt sich die Ehre – und glänzt auf dem filmisch angehauchten Titeltrack mit einer gewohnt kraftvollen Performance. Im abschließenden „THIS ONE HERE“ steht Ye schließlich wieder allein und singt mit Dringlichkeit über die Notwendigkeit der Transformation und Widerstandsfähigkeit.