

Von seinem Schlafzimmer in Belfast – wo seine Durchbruchsingle „KEHLANI“ entstand – bis zu den Aufnahmen für sein zweites Mixtape „A Jaguar’s Dream“ in Los Angeles hat Jordan Adetunji schnell den Weg in Richtung internationaler Berühmtheit eingeschlagen. Schon bevor „KEHLANI“, eine Hommage an die US-amerikanische Singer-Songwriterin, ihm 2024 eine Grammy-Nominierung einbrachte, hatte er die Bewunderung von Oli Sykes (Bring Me The Horizon) gewonnen, der ihm zu seinem ersten Plattenvertrag verhalf. Und Gary Lightbody von Snow Patrol schwärmte regelmäßig in seiner Radiosendung von Adetunji. Dass er dann auch noch Kehlani für den Remix von „KEHLANI“ gewinnen konnte, führte zu weiteren hochkarätigen Team-ups: Im Oktober 2024 erschien die von Chase & Status mitproduzierte Single „Options“ mit Lil Baby. Dieses genreübergreifende Mixtape ist somit perfekt dafür geeignet, Adetunjis Aufstieg weiter voranzutreiben. Adetunji hat seinen Sound seit dem Debüt-Mixtape „ROCK ’N’ RAVE“ aus dem Jahr 2023 verfeinert und liefert nun einen äußerst selbstbewussten und ausgefeilten Nachfolger voller intimer Texte. „Ich habe das Gefühl, dass sich mein Sound stark weiterentwickelt hat“, sagt er gegenüber Apple Music. „Ich habe so viele Lektionen aus diesem experimentellen Projekt mitgenommen, doch jetzt ist es noch viel besser. Mein Gesangsstil ist sehr R&B, aber ich kombiniere ihn mit alternativen Klängen, also würde ich ihn als Alternative R&B bezeichnen.“ Er hat das Beste aus seiner Stimme herausgeholt und spielt mit dem Sound, um für jeden Track die richtige Atmosphäre zu schaffen. „Ich versuche, meine Stimme so zu modifizieren, dass sie zu bestimmten Klangfrequenzen passt, wenn ich einen Song mache“, sagt er. „Manchmal beschleunige ich den Track und verlangsame ihn dann wieder, um die passende Frequenz zu finden, bis er sich richtig anfühlt. Ich will, dass es sich für mich klanglich richtig für mich anfühlt, was die Energie angeht.“ Die zehn Tracks wurden von Adetunji geschrieben und produziert, der dabei mit Weltstars wie Take A Daytrip, Chase & Status und Danny Casio zusammengearbeitet hat. Lil Baby, Bryson Tiller und natürlich Kehlani steuern Gastvocals bei. Das Ergebnis ist ein Mixtape, das die aufregenden Momente wohl kaum enden lassen wird, in denen Adetunji seine eigenen Songs zufällig irgendwo hört. „Ich finde es immer lustig, wenn ich ‚KEHLANI‘ aus dem Auto von jemandem höre“, sagt er. „Wenn ich in einem Club bin, halte ich mich dezent im Hintergrund, und wenn sie den Song spielen, beobachte ich einfach, wie die Leute darauf reagieren. Und ich denke: ‚Niemand weiß, dass ich das gemacht habe.‘“ Lies weiter, wenn er mit Apple Music über „A Jaguar’s Dream“ spricht, Track für Track. „KEHLANI“ Die Jungs, unter anderem Daytrip, und ich saßen in einer Session in L.A. und gingen alle Songs durch, um herauszufinden, welche gut ineinander übergehen. Aber das hier musste einfach der erste Track sein. Kehlani ist so eine großartige Person. Als ich den Song schrieb, dachte ich nicht wirklich, dass sie mich eines Tages anrufen würde, aber gleichzeitig habe ich es manifestiert. Als sie mich dann anrief, war ich in einem Club und ein bisschen in Panik, weil ich die Datei suchte, um ihr den Song zu schicken. Sie hat mir so viele Ratschläge gegeben und ist für mich wie eine große Schwester in der Branche, was mir enorm geholfen hat. „Too Many Women“ (feat. kwn) Ich hatte kwn schon ein paar Mal gesehen, und als ich ihre Musik checkte, dachte ich: „Das ist unglaublich.“ Sie war tatsächlich beim Remix-Dreh des „KEHLANI“-Videos dabei. Dann habe ich sie bei Kehlanis Show im Barclays Center in New York wiedergesehen. Ich dachte mir: „Yo, wir müssen was zusammen machen.“ Also habe ich sie auf Instagram kontaktiert. Ich hatte ein Snippet einer Demoversion von „Too Many Women“ hochgeladen, da hatte ich buchstäblich nur die Hook. Sie fragte nach dem Song, also schickte ich ihn ihr. Sie schrieb eine Strophe dazu, und so wurde der Song zu dem, was er jetzt ist – was wirklich aufregend ist. „Break The System“ In dem Song heißt es: „People change, but I don’t wanna“ („Die Leute ändern sich, aber ich habe keine Lust dazu“). Ich habe das Gefühl, dass immer, wenn ich Musik herausbringe, alle denken, dass ich Dinge auf eine bestimmte Art und Weise machen oder mich verändern sollte, aber das kann ich einfach nicht. Natürlich probiere ich immer noch Dinge auf TikTok aus, aber ich denke: Wenn etwas funktioniert, warum sollte ich es ändern? Ich lese zwar Kommentare, aber ich ignoriere sie. Ich mache lieber so weiter wie bisher. Ihr seid doch alle hier wegen etwas, das ich gemacht habe, also werde ich meinen Weg weitergehen. Und wenn ihr es feiert, dann feiert ihr es. Wenn nicht – au revoir. „305“ (feat. Bryson Tiller) Das ist einer meiner Lieblingssongs auf diesem Mixtape, weil er total organisch entstanden ist. Ich war mit Danny Casio und Parked Up im Studio und fing an, die Melodie zu summen, danach habe ich die Worte dazu geschrieben. Der Song war immer eine Manifestation davon, dass ich nach Miami gehen würde – zu der Zeit war ich nämlich noch nie dort gewesen. Ich habe ihn zwei Monate nach „KEHLANI“ geschrieben und dann an Bryson Tiller geschickt, in der Hoffnung, dass er etwas dazu beitragen würde. Ich hatte das Video in Miami schon gedreht, als er sich mit einer Strophe meldete. Ich dachte mir: „Oh, dann müssen wir das Video wohl überarbeiten.“ Ich traf mich mit Bryson in seinem Haus in Miami und er kam sogar zum Videodreh vorbei. „Bitter“ Ich habe „Bitter“ ganz allein in einem Studio in L.A. geschrieben. Alle hatten den Raum verlassen, und ich blickte auf dieses atemberaubende Panorama und fing einfach an, zu singen. Die Hook kam mir ganz leicht in den Sinn. Der erste Teil, den ich schrieb, war nur 30 Sekunden lang, also hatten wir ihn zunächst als Interlude. Dann haben wir denselben Song gesampelt, um einen zweiten Teil daraus zu machen, und es entstand etwas ganz anderes. Ich liebe den Song, weil ich finde, dass er ein wunderschönes Stück Arbeit ist und sehr experimentell klingt. Viele der Songs auf diesem Mixtape sind etwa zwei Minuten lang. Sobald ich gesagt habe, was ich zu sagen hatte, füge ich nichts mehr hinzu. Ich bin glücklich damit, dass ich die Emotionen in dieser Zeitspanne eingefangen habe, also habe ich nicht das Bedürfnis, noch etwas zu ergänzen. „Dirty Diana“ Michael Jackson war definitiv eine meiner größten Inspirationen, also habe ich diesen Song spaßeshalber „Dirty Diana“ genannt. Ich habe ihn in Paris geschrieben und ihn Monate später wieder aufgegriffen, sodass er sich wie eine lange Abfolge verschiedener Sounds und Elemente anfühlt – mit Streichern, Backing Vocals und großen Synthesizern. Am Ende haben wir das Ganze zu einem Crescendo geführt, das sich wie ein langer Moment anfühlt. Der Song ist sehr, sehr experimentell, hat aber auch Elemente von „KEHLANI“. Ich hatte das Gefühl, dass er gut auf das Album passt, weil er zu diesem musikalischen Universum gehört. Es ist ein schönes Abschlusskapitel für diese Art von Sound. „Bedroom“ „Bedroom“ handelt nicht von einer bestimmten Person. Ich würde sagen, es geht um viele verschiedene Situationen, in denen ich war, und darum, wie ich mich in diesen Momenten gefühlt habe. Wir haben so viele Spuren auf dem Track aufgenommen – ich hatte all diese verschiedenen Melodieideen und wir haben sie wie ein Puzzle zusammengesetzt. Ich fände es super, wenn die Leute die Datei eines Tages hören würden, denn es gibt hundert Takes, in denen ich verschiedene Melodien singe. Es waren nur Danny Casio und ich im Raum, als wir es aufgenommen haben. Am Anfang war es ziemlich schwierig, von meinem Schlafzimmer ins Studio zu wechseln, weil ich das vertraute Set-up mit dem Mikrofon vor dem Monitor haben wollte. Es sollte alles wie im Schlafzimmer aussehen, mit meinem Laptop und meiner Maus. Alle im Studio waren ziemlich verwirrt, weil ich für Aufnahmen nie in die Kabine gehen würde. „Attractive“ Ich weiß, dass ich in diesem Track meine Gefühle preisgebe, aber ich freue mich darauf, mehr in die Tiefe zu gehen. Einige meiner Texte sind Fantasie, andere sind pure Gedanken. Wenn ich mich verliebt fühle, bin ich verliebt. Wenn ich das Gefühl habe: „Nee, ich bin verletzt“, habe ich keine Angst, in dieser Stimmung zu schreiben, egal, ob ich es später bereue oder nicht. Diese Einstellung habe ich von Anfang an beibehalten. Ich konzentriere mich einfach, ich habe meinen Plan, also halte ich mich daran und lasse es geschehen. Das Universum wird entscheiden, ob es funktioniert oder nicht. „Options“ (feat. Lil Baby) Ich bin ein großer Fan von The Weeknd und Michael Jackson, und wenn man sich die Karrieren dieser Jungs anschaut, sieht man eine ganze Ära. Genau das will ich auch – ich möchte, dass mein Publikum mitkommt, vor allem die Leute, die mich von Anfang an begleitet haben. Und ich möchte diese Entwicklung durch visuelle Elemente zeigen und mit ihren Wahrnehmungen spielen. Ich will, dass die Leute denken: „Oh, ist das sein Sound? Wird er das auch in Zukunft machen?“ Denn ich spiele gerne mit den Leuten. Man hat einfach keine Ahnung, was passieren wird. Das ist ein lustiges Spiel für mich. Ich habe gerne mit Lil Baby gearbeitet – er ist toll, er ist witzig und ein sehr kluger Mensch. Wir haben uns in London getroffen, bevor ich den Song aufgenommen habe, und er hat mir viel Liebe entgegengebracht und mir gesagt, dass ich weitermachen soll. „KEHLANI (REMIX)“ (feat. Kehlani) Es war nur logisch, das Album mit „KEHLANI“ zu eröffnen und abzuschließen, und ich fand es toll, was sie zum Remix beigesteuert hat. Ich habe sie einfach ihr Ding machen lassen. Tatsächlich hat sie zwei Strophen aufgenommen: Eine war mehr Rap und die andere war melodischer. Ich mochte beide, also habe ich sie entscheiden lassen, welche wir verwenden sollten. Ich freue mich so sehr, dass wir eine Grammy-Nominierung erhalten haben [für die beste melodische Rap-Darbietung, neben Beyoncé, Future und anderen]. Ehrlich gesagt kann ich es kaum erwarten, hinzugehen. Ich habe das Gefühl, dass mein Song die Kultur beeinflusst hat. Ich habe Leute gesehen, die auf ihrer Hochzeit ihren ersten Tanz zu „KEHLANI“ getanzt haben – ich denke, das ist gut genug für mich.