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Tipps für die App-Entwicklung

Drei Profis räumen mit allgemeinen Mythen zur App-Gestaltung auf.

Während der Code Week feiert Europa eine Woche lang die Welt der Programmierung und animiert zum Mitmachen. Wer daran teilnimmt, erfährt nicht nur mehr über Technologie, sondern taucht auch in die Entwicklung ein – und lernt so alles über die Gestaltung von Apps, mit denen sich eigene oder allgemeine Herausforderungen meistern lassen. Für die diesjährige Code Week hat sich der App Store mit ein paar herausragenden europäischen Entwicklungstalenten zusammengetan, um mit ihren Geschichten die nächste Generation zu inspirieren.

Was zeichnet eine grossartige App aus? Dass sie deine Alltagsprobleme elegant löst und das Leben der Menschen positiv beeinflusst.

Nach seiner erfolglosen Suche nach einem allgemein zugänglichen Tool zur Bildbearbeitung begann Matthieu Rouif mit der Arbeit an Photoroom. Aurore Tran gründete zusammen mit anderen Foodvisor, weil sie an der Uni beobachtet hatte, wie die Studierenden ihre täglichen Mahlzeiten handschriftlich festhielten. Und Louis Jeannin zählt zum Gründungsteam von Foxar, einer Bibliothek an 3D-Modellen. Schon während seines Studiums wurde ihm klar, dass er etwas Sinnvolles für das Bildungswesen entwickeln wollte.

Im Gespräch erzählen sie von ihrem Weg in die Entwicklungsbranche und räumen mit ein paar verbreiteten Mythen zur App-Gestaltung auf.

Matthieu Rouif gründete zusammen mit anderen die App Photoroom, die alle Bearbeitungstools enthält, die das Fotoherz begehrt.

Mythos 1: Du brauchst eine Ausbildung oder ein Studium

Matthieu: Wenn du ohne eine Ausbildung oder ein Studium in Informatik mit der Entwicklung einer App beginnst, fühlt es sich manchmal an, als würdest du betrügen, obwohl dem gar nicht so ist. Als ich angefangen habe, war es noch eine zwingende Voraussetzung, dass du die Programmiersprache C beherrschst. Mittlerweile ist aber alles einfacher. Wenn du nicht zu technisch an die Sache herangehst, näherst du dich der Lösung eines Problems oft viel effizienter.

Aurore: Als Teil eines Gründungsteams brauchst du nicht unbedingt technische Erfahrung. Ich bin selbst keine Entwicklerin. Wichtig ist meiner Meinung nach vor allem, dass du Menschen mit der erforderlichen Technikkompetenz um dich herum hast und ihnen deine Vision vermittelst, damit sie die App nach deinen Vorstellungen entwickeln. Heutzutage gibt es viele KI-gestützte Tools, mit denen du deine Idee von Grund auf selbst umsetzt. Das Ergebnis ist vielleicht nicht perfekt, aber du hättest immerhin eine erste App gestaltet.

Louis: Letztes Jahr habe ich an einer Veranstaltung für Kinder und Jugendliche aus der Mittelstufe teilgenommen. Sie schafften es mithilfe von Swift, richtige Apps für iOS zu entwerfen. Alle waren sehr wissbegierig und wollten lernen, neue Dinge zu entwickeln. Das ist für mich das Wesentliche: Neugier und Kreativität.

Wichtig ist, dass du Menschen mit der erforderlichen Technikkompetenz um dich herum hast und ihnen deine Vision vermittelst, damit sie die App nach deinen Vorstellungen entwickeln.
– Aurore Tran, Mitbegründerin von Foodvisor
Aurore Tran ist Mitbegründerin und CMO von Foodvisor – die App bietet dir einen Ernährungsplan, der zu deinen Zielen, deinen Bedürfnissen und deiner Lebensweise passt.

Mythos 2: Der Fokus muss auf der technischen Seite liegen

Aurore: Wir begannen mit unserer Arbeit im Rahmen eines Forschungsprojekts, deswegen stand die Technologie für uns an erster Stelle – keine gute Strategie. Es gab zu viele Kennzahlen und die Bedienung war nicht besonders intuitiv. Dadurch wurde uns eine Sache klar: Um ein erfolgreiches Produkt herzustellen, musst du auf den gemeinsamen Bedarf einer grossen Anzahl an Menschen eingehen und auf eine einfache Handhabung achten. Manchmal ist es sogar noch besser, wenn gar nicht zu spüren ist, wie viel Technik in der App steckt. Bei Foodvisor haben wir drei Jahre gebraucht, um das zu schaffen.

Louis: Manchmal arbeitest du ein Jahr lang an der Lösung eines technischen Problems. Und wenn du deine App dann präsentierst, stellt sie sich als komplett unnütz heraus, weil du bei der Entwicklung nicht an deine Zielgruppe gedacht hast. Du musst in diese Fallen tappen, damit du lernst und verstehst, was wirklich wichtig ist und was nicht.


Mythos 3: Veröffentliche deine Arbeit erst, wenn alles perfekt ist

Aurore: Meistens verschwendest du nur deine Zeit, bis du ein Produkt zur vermeintlichen Perfektion gebracht hast. Ich glaube, dass es vor allem darauf ankommt, deine Zielgruppe zu kennen. Fehler passieren schliesslich schnell. Was du für die Wahrheit hältst, entpuppt sich am Ende oft als Trugschluss. Deswegen solltest du dein Produkt schnell veröffentlichen, dir Feedback einholen und alle Verbesserungstipps umsetzen.

Louis: Hab keine Angst davor, etwas zu präsentieren, was deiner Meinung nach noch unfertig ist. Das ist nur eine weitere Falle, in die du besser nicht tappen solltest.

Matthieu: Du brauchst das Rad nicht neu zu erfinden. Übernimm stattdessen lieber Features, die wichtig für das sind, was du machst. Ob sie neu sind oder nicht, ist erstmal irrelevant. So kommst du viel schneller voran, insbesondere wenn du noch nicht so versiert bist. Und im Nachgang fügst du im Handumdrehen weitere Funktionen hinzu.

Louis Jeannin zählt zum Gründungsteam der App Foxar, die aus jeder Umgebung ein Klassenzimmer macht. Die 3D- und AR-Szenen geben Kindern eine greifbare Vorstellung der Lerninhalte.

Mythos 4: Du braucht Investitionen von aussen

Matthieu: Das Schöne an der Veröffentlichung im App Store ist, dass du mit deinem Nischenprodukt Menschen aus der ganzen Welt erreichst. Das verschafft dir schon früh eine Finanzspritze.

Aurore: Der Idealfall wäre, nicht auf externe Mittel angewiesen zu sein. Schliesslich willst du die volle Kontrolle über dein Unternehmen behalten. Sofern du keinen Zuschuss vom Staat bekommst, ist das allerdings eher kompliziert. Wer in dich investiert, möchte in erster Linie Gewinne sehen. Dem Gründungsteam sind aber vielleicht zunächst andere Ziele wichtiger, wie die Umsetzung der eigenen Vision und die Entwicklung eines grossartigen Produkts. Auf der anderen Seite gilt: Je nachdem, woran du arbeitest, beschleunigen Investitionen das Wachstum. Und das ermöglicht dir wiederum Zugang zu einem soliden Beratungsnetzwerk.

Louis: Seit unseren Anfängen arbeiten wir an unserem Hauptprojekt fürs Bildungswesen. Gleichzeitig sind wir aber auch mit ein paar B2B-Projekten beschäftigt, bei denen wir individuellen Content erstellen. Auf diese Weise sichern wir uns die finanzielle Grundlage für unser Langzeitprojekt.


Mythos 5: Bitte niemals um Hilfe

Matthieu: Geh bloss nicht davon aus, dass es keine hilfsbereiten Menschen gäbe. Ob Lehrkräfte oder Communitys aus dem Entwicklungsbereich – setz dich mit ihnen in Verbindung, stell deine Leidenschaft unter Beweis und zeig ihnen, dass du deine Hausaufgaben gemacht hast. Allen dürfte klar sein, dass du dir erst Unterstützung holst, wenn du wirklich nicht weiterkommst.

Aurore: Ich finde es richtig und wichtig, sich Hilfe zu holen, und frage auch selbst regelmässig um Rat. Dabei wende ich mich zum Beispiel an die Teams von anderen Apps. Ob sie in direktem Wettbewerb zu mir stehen, ist für mich in dem Fall zweitrangig. Die Entwicklungscommunity ist sehr offen und entgegenkommend. Und auch wir unterstützen im Rahmen unserer Möglichkeiten alle, die nach Mentoring suchen. Ein guter Rat: Sei nicht schüchtern, bitte um Hilfe und lern von anderen – auch von ihren Fehlern.

Apple ist stolz darauf, die nächste Generation im Bereich Entwicklung, Design und Unternehmen durch das Swift Student Challenge-Programm zu unterstützen und zu fördern.

In den letzten drei Jahrzehnten haben Tausende von Studierenden erfolgreiche Karrieren in der Technologiebranche aufgebaut, Start-ups gegründet und Organisationen zur Demokratisierung von Technologie ins Leben gerufen, um sich für eine bessere Zukunft einzusetzen.

Du möchtest mehr über die WWDC Swift Student Challenge erfahren? Über den Link am Seitenende gelangst du direkt zur Website. Und wer weiss – vielleicht gewinnst du ja das nächste Stipendium!